Tag für Tag begegnen wir perfekten Menschen. Die Medien zeigen uns, wie Perfektion aussieht und wir richten uns danach. Perfekt ist das neu gewählte Top-Model, das zur Jetsetterin wird. Perfekt ist der junge Sportler, der einen Rekord nach dem anderen aufstellt und dabei cool und gelassen wirkt. Perfekt sind die Stars und Sternchen, die uns zeigen, wie einfach und lässig es ist, berühmt zu sein. Die Karrierefrau zeigt uns, wie perfekt sie Beruf und Familie unter einen Hut bringt. Und Superman – dazu bedarf es keiner Erklärung – er ist einfach perfekt!

Doch was macht diese Perfektion mit uns? Warum haben wir ständig das Verlangen, alle Anforderungen perfekt zu erfüllen? Und was ist perfekt? Wie definiert sich Perfektion?

Wer was erreichen will, steckt sich Ziele. Wir haben unsere Idealvorstellungen – egal ob im Beruf oder im Privatleben – und wollen denen so nahe wie möglich kommen. Weiterentwicklung steht ganz oben im Plan. Das ist auch gut so. Keine Weiterentwicklung bedeutet Stillstand und Stillstand, naja, bedeutet „tot“.

Aber mittlerweile hat unser Streben nach Perfektion ein Ausmaß erreicht, dass in den meisten Fällen nicht mehr gesund ist. Perfektion wird zum Gift und das zeigt sich dann nicht selten in einem vegetativen Überlastungssyndrom (Burn out). Durch den immer stärker werdenden Druck im Job aber auch im Privatbereich (immerhin muss ja auch die Freizeit optimal ausgenutzt werden) steigt die Angst Fehler zu machen und zu versagen immer mehr an. Und genau durch diese – oft unbewusste – Angst wird Perfektion gesundheitsschädigend.

Unlängst las ich in einem Artikel den Satz „Der Perfektionist definiert sich zu stark durch die eigene Leistung.“ Was heißt das?

Unsere Gesellschaft ist geprägt von stark polarisierendem Denken: Gut-Böse, Fleißig-Faul, Sonne-Regen, Schwarz-Weiß. Wir nehmen kaum mehr wahr, dass es zwischen Schwarz und Weiß auch noch viele Graustufen gibt. Entweder man ist ein fleißiger Mensch, oder ein Faultier. Entweder leistet jemand gute Arbeit oder ist zu gar nichts zu gebrauchen. Doch was ist mit dem dazwischen? In der Arbeitswelt werden wir tagtäglich darauf getrimmt, perfekte Ergebnisse zu liefern. Und wenn diese Ergebnisse nicht perfekt sind, sind sie unbrauchbar.

Wie man sieht, dreht sich diese Spirale immer weiter nach unten und eine Topleistung zu übertreffen und immer noch mehr Leistung zu bringen, ist nahezu unmöglich und das geht irgendwann in die Hose. Was tun?

Der einzige Ausweg aus der Perfektionsspirale ist, sich der eigenen Unvollkommenheit bewusst zu werden. Wir dürfen auch „nur“ durchschnittlich sein, wir machen Fehler, wir haben Grenzen und wir scheitern hin und wieder einmal. Aber genau das macht unser Leben aus. Von oben im Sturzflug nach unten und wieder retour. Ronan Keating singt „Life is a Rollercoaster“ – „Das Leben ist eine Achterbahn“ und genauso ist es. UND: Es gibt nicht nur Höhen und Tiefen, sondern viiiiiieles inzwischen und genau das gilt es zu entdecken!