Es gibt Menschen im Leben, die haben einen besonderen Stellenwert für einen. Sie bedeuten alles, sodass es sogar so weit kommt, dass man sich selbst dabei komplett vergisst. Man möchte, dass es dem anderen gut geht, dass er sich wohlfühlt und ein behütetes Leben führen kann. Es wird Zeit investiert, Aufmerksamkeit, oft auch Geld und wahnsinnig viel Liebe. Liebe, die man dem anderen schenkt – aus Selbstverständlichkeit. Weil der andere einfach was Besonderes für einen ist; weil man den anderen tief in seinem Herzen trägt.

Und irgendwann merkt man, dass man dem anderen nicht so viel bedeutet. Solange man gibt, ist alles in Ordnung. Aber wenn nicht, dann ist da nichts mehr. Und man steht da und weiß im ersten Moment nicht, wie man damit umgehen soll. Da ist Enttäuschung, ein Gefühl von Verletzung und viele Fragezeichen. Was hat man falsch gemacht? Warum wendet sich der andere ab? Wieso geht er lieber zu Menschen, bei denen er um deren Liebe und Aufmerksamkeit kämpfen muss?

Es tut weh und hinterlässt Unsicherheit, Schmerzen und eine riesige Leere, weil man sich irgendwann einmal eingestehen muss, den anderen ziehen zu lassen. Mit Geld sind viele Menschen käuflich. Aber „nur“ Liebe hat wohl keinen Wert für manche und es stellt sich die Frage, warum man diese Liebe nicht besser in sich selbst investieren soll. Bedingungslose Liebe, von denen alle immer sprechen, bekommt auf einmal eine ganz andere Bedeutung. Man weiß, dass sie einseitig ist. Und jetzt wird es schwierig: Ist es möglich, den anderen Menschen weiterhin „bedingungslos“ zu lieben? Liebt man sich selbst denn „bedingungslos“? Oder geht es einfach nur ums Loslassen – wieder einmal?

Man weiß, dass die Liebe immer da sein wird; dass man den anderen immer in seinem Herzen tragen wird. Aber man weiß auch, dass es einen Zeitpunkt gibt, an dem man den anderen ziehen lassen muss. Weil es jetzt einfach so ist.

Man erinnert sich an Momente, die einem jetzt beinahe das Herz zerreißen und man würde alles dafür geben, sie noch einmal zu erleben. Einfach, weil man damals nicht gewusst hat, dass man irgendwann loslassen muss. Aber das Schlimmste dabei ist, das Bewusstsein, dass es den anderen gar nicht berührt. Der andere denkt sich gar nichts dabei. Für den anderen ist die Welt in Ordnung, während um einen selber herum, gar nichts in Ordnung ist. Und das ist … in Ordnung so.

Es hat nämlich überhaupt nichts mit dem anderen zu tun, sondern nur mit einem selber. Man ist so enttäuscht, dass diese selbstverständliche Liebe nicht erwidert wird – und ich spreche dabei nicht von bedingungsloser Liebe. Ich spreche von der Art von Liebe, die überhaupt nicht mit Bedingungen verknüpft werden kann, weil sie einfach „nur“ ist. Und trotzdem tut es weh. Warum?

Selbstwert. Und wieder kommt man drauf, dass man ihn im Außen gesucht und nicht gefunden hat. Man hat doch alles für den anderen getan. Toll, und weiter? Zu welchem Preis? Wer sitzt den heulend herum und verschwendet Energie in jemanden, der einen wie Dreck behandelt?

Was kann man tun? Sich dem Schmerz hingeben, sich den Gefühlen stellen, sich klar machen, dass Menschen Wegbegleiter sind, die man auch gehen lassen muss – wenn der Zeitpunkt da ist. Es darf wehtun, aber man soll nicht vergessen, dass es noch immer Menschen gibt, die da sind. Und man soll nicht vergessen, sich selbst gut zu behandeln, auch wenn es der andere nicht tut – aus welchen Gründen auch immer.

Ja, es tut immer noch weh. Aber der Schmerz hat sich verändert. Weil man – wieder einmal- feststellen musste, dass man andere besser behandelt hat, als einen selbst. Es war Zahltag – hoffentlich zum letzten Mal.